Lamborghini

JOTA

SVR

Lamborghini Miura Jota SVR Made in Lamborghini Factory 1975 Design by Heinz Steber

Die Geschichte des Jota SVR

Kyosho Modell Maßstab: 1: 12

Kyosho Modell Maßstab: 1: 12

Textauszug aus:

Ilustrated Lamborghini buyer`s guide

Rob de la Rive Box 1983 Im November 1975 German Heinz E. Steber brought his Miura Fgst.Nr.3781 to the factory to have jotanized. The man in charge, Sen. Remo Vecci: did not like the idea et alt, but acepted at last, as „money does not stink“ It took the factory five months to do the job.

 

Was soll ich sagen? Papier ist geduldig und es stimmt nicht. Ich brachte den Wagen 1974 ins Werk nicht 75 und der Rest des Textes? Na ja. Auf persönliche Nachfrage wusste natürlich weder Remo Vecci noch Valentino Balboni der mein Auto sehr gut kannte, nichts von dieser Aussage. Auch die nette deutschsprechende Sekretärin Ingrid Pussich die „von allen Vorgängen im Werk wusste“ konnte es nicht bestätigen. So ist anzunehmen, mit diesem dümmlichen Text versuchte der holländische, hauptberufliche Gebrauchtwagen Händler Rob de la Rive Box seinen etwas dürftigen mit SW Fotos versehen Bildband Spannung zu verleihen und auf meine Kosten, aufzupeppen. Da es sich die Autoren von Automobilbüchern gerne etwas leichter gestalten, d.h. einer schreibt den Text vom anderen ab, findet sich dieser Bemerkung über meinen Jota SVR öfters und einige Male zumindest sinngemäß wieder. Die unverschämteste Version, beschrieben im Band von Rob de la Rive Box mit dem Titel „Träume auf 4 Rädern“, dort heißt es:

 

Ich brachte den Miura  „zur Verschönerung“ in das Werk.

Die neuesten Text fand ich im Band „Valentino Balboni“ 2014 von Mathias Pfannmüller, „ein besonders wildes Exemplar mit Speichen Räder“. Ich erkenne nirgendwo Speichen Räder, aber was soll es, was kümmert mich die Dummheit anderer. Im Band von Peter Coltrin „Lamborghini Miura“ 1982 ist mein Lambo im Nummernregister als Hahne Jota SVR bezeichnet. Absolut unrichtig!

 

Nun aber zur wahren Geschichte des Jota SVR!

 

Fasziniert hat mich der Miura schon bei der Vorstellung im Jahre 1966, ich gerade 20 Jahre alt.

Besonders der Stier im Markenzeichen hatte es mir angetan. Ich war wie  

Sen. Ferrucio Lamborghini im Mai geboren und somit im Tierkreiszeichen auch ein Stier.

Ich wollte den Miura haben. Das Summe, damals 75000,- DM war vorhanden aber,

die Vernunft siegte. Ich kaufte mit diesem Geld eine Maschine zur

Herstellung von Besen. Damals hatte ich einen Besen entworfen. 

 

 

Er wurde Gebrauchsmuster geschützt und in Italien, in Bologna hergestellt. Die unmittelbare Nähe zum Lambowerk war rein zufällig. Also, der Lambo –Traum wurde erst mal für einige Jahre zurückgestellt. 1974 ergab sich eine günstige Gelegenheit verursacht durch die berühmte Ölkrise. Es gab Fahrverbote an Sonntagen. Familien mit Ihren Kindern die Vornamen hatten wie schwedische Möbel, spazierten lustvoll auf den deutschen Autobahnen. Dafür waren die Autobahnen ja ursprünglich eigentlich geplant. Was war der Grund für diese groteske Situation? Ach ja, das Öl ging aus! Die Preise für die ach so spritfressenden Ungetüme waren im Keller. So gelang es mir günstig einen Miura zu erwerben. Ein schönes Fahrzeug mit Jota – Modifikationen an der Karosserie. Er gesellte sich zu einem Mercedes 6.3, einen Jaguar E V12 Cabrio sowie zu einem bestellten Porsche Turbo der im Frühjahr 1975 ausgeliefert wurde.

 

 

Auch der bestellte Ferrari BB war im Sommer zur Übernahme bereit.

Den Traum von 1966 noch im Kopf folgte eine herbe Ernüchterung, der Miura enttäuschte auf der ganzen Linie. Optisch und akustisch eine Sensation, Verarbeitung, na ich sage schrottnah, normal Fahren ging gerade noch aber schnell sportlich bewegt, eine Katastrophe.

Dennoch, der Auftritt war herrlich, die Hasen hüpften mit Freude in das Auto und es gab Spaß ohne Ende. So verging der Sommer 74 und ich hatte vor den Lambo über den Winter für eine große Inspektion in das Werk zu bringen. Da der Miura bis zum 24.11.74 auf der Greger Racing Show in München ausgestellt wurde, war es schon etwas winterlich auf den Straßen um die Tour nach St. Agatha anzutreten. In den frühen Morgenstunden 05:00 Uhr ging es von München los. Es war neblig, kalt und stellenweise glatt. Begleitet hat mich mein Freund Peter Schulz der mit meinen Mercedes 6.3 nachfuhr und uns so zusammen die Heimfahrt ermöglichte. Ich kam nicht weit. Auf der Autobahn, kurz hinter Starnberg, einige 360er Dreher.

 

 

Ich blieb gut mittig auf der Straße aber dann doch noch in der Endphase kurz vor dem Stillstand, ein kleiner Anstoß vorne rechts an der Leitplanke. Nicht schlimmes, die Fronthaube war leicht beschädigt der Miura aber fahrbar. Ich war voll verärgert über meine Dummheit und hatte knapp 4 Stunden Zeit bis zur Ankunft über die blöde Situation nachzudenken. Es reifte der Entschluss den Miura fahrfähig umzubauen d.h. die gröbsten Mängel in Handling und Technik zu beseitigen. Der Geradeauslauf !!! War ab 220 km/h eine Katastrophe. Dem Vorderwagen musste unbedingt die Leichtigkeit des Seins genommen werden. Die Kupplung !!! Dreimal flott gestartet und sie war schleifend und übel riechend unbrauchbar. Die Bremsen !!! 2 Runden Hockenheim und bei der dritten ging es nach Start und Ziel bei der Ersten Rechtskurve, Pedal am Boden schon ungebremst geradeaus. Ich, so in Gedanken versunken schwebte mir natürlich auch der ach so berühmte Jota von Bob Wallace vor. Ein Einzelstück, gebaut unter der Leitung von Bob Wallace, der erste Testfahrer im Werk. Mit dieser ausgeräumten leeren Kiste, formal um einiges wilder ( Jetzt schreibe ich doch schon fast wie der Pfannmüller ) als der normale Miura. Mit dem Jota, befreit von einigem Zierrat wie den Klappscheinwerfern mit „Wimpern“ und versehen mit zusätzlichen Lüftungsöffnungen an Front- und Heckhaube sollte dem Chef Ferrucio der Einstieg in den Motorspor schmackhaft gemacht werden. Aber dennoch, es war ein dilettantisches aufgebautes Auto mit Anlehnung an die damalige Renngruppe  „ Anhang J „ daher der Name Jota. Es zeigte sich aber, außer Bob konnte mit dem Wagen keiner umgehen. Auch außergewöhnlich, die beiden Schweller links und rechts wurden als Tankbehälter umgebaut. d.h. ein marginaler Vorteil. Der sich leerende Tank auf der Vorderachse beeinflusste das Fahrverhalten mehr als die sich im Schwerpunkt gleichmäßig leerenden Schweller Tanks. Diese Konstruktion hatte aber einen gravierenden Nachteil. Die Tanks waren ziemlich ungeschützt links und rechts außen an der Fahrzeugseite und wie sich später bei einem Unfall zeigte, keine gute Idee der Jota brannte unrettbar lichterloh. Mit all diesen Gedanken kam ich in Sant Agata an. Das Lambo – Werk war damals noch sehr übersichtlich. 2 Hallen, davorstehend rechts die Halle Entwicklung und Neuwagen Produktion, links die Halle, Reparatur, Service, Test- und Einfahren der Neufahrzeuge.

 

Valentino Balbione der nach dem Weggang von Bob zur

Lambo – Legende hervorwuchs, empfing mich freundlich und anteilnehmend wegen dem verursachten Schaden. Auch freute er sich ehrlich dass mir nichts passiert ist. Bei einer Tasse Capo erklärte ich Ihm meine Wünsche. Geduldig hörte er zu, seine Miene verfinsterte sich und ich hörte „no possibile“. Später zur Mittagszeit kam auch der Leiter der linken Halle, Remo Vecci zum Gespräch hinzu mit dem Ergebnis das jetzt zwei Leute den Kopf verneinend bewegten. Es wurde erklärt, es gibt keine geeigneten Teile für den gewünschten Umbau. Nach der Mittagszeit schritt ich noch etwas übelgelaunt mit Valentino durch die Halle, andere Lambos ansehen. Er zeigte mir auch die Motorprüfstände. Unweit davon, unter einer staubigen Decke ein Motor. Ich fragte welcher Motor es ist. Valentino erklärte, es ist ein Rennmotor mit ca. 400/440 PS. Er wurde als Testobjekt unter der Leitung von Bob Wallace gebaut, nicht mal Sen. Lamborghini wusste etwas davon. Leider konnte er auch mit diesem Motor nicht überzeugt werden, etwas Motorsport zu betreiben. Ich hellhörig, freudig „440 PS“ und sagte einbauen! Die Antwort, sie können es sich denken „ no possibile „ Hing mir schon zum Hals raus, der Text. Es wurde Zeit zur Heimfahrt und wir vereinbarten, ich werde mich im Januar melden. Derzeit passiert sowieso nichts mehr, im Dezember und den Feiertagen. Ähnlich stimmungsvoll wie die Hinfahrt verlief auch die Rückfahrt. Einziger Spaß nur der Mercedes 6.3 der so ziemlich alles erschreckte was sich auf der Straße bewegte. Ein Satz von Remo Vecci blieb mir aber im Gedächtnis:

 

Wir haben keine passende Teile für Ihren gewünschten Umbau!

 

Das mag schon sein aber: Ich besorge die Teile!

 

Wieder in München stürzte ich mich in das Projekt „ Jota SVR“ Den Namen habe ich mir auf der Heimfahrt ausgedacht. So war es eigentlich nicht geplant, wollte ich doch den Lambo einfach abgeben und fertig im Frühjahr wieder abholen. Meine zahlreichen Industrie- und Motorsportkontakte waren mir auf meiner Einkaufstour sehr behilflich. Also ich kaufte oder es wurde für mich speziell angefertigt: Ein Satz BBS Felgen 3 teilig um die neue Spurweite provisorisch zu fixieren. Spezial Koni – Renndämpfer. Eine Sinter Belag  Rennkupplung von F&S. Eine komplette Girling Rennbremsanlage wie sie auch im Porsche 917 verwendet wurde. Ich dachte: was den 917 bremst, reicht für den Lambo allemal. Die nagelneu auf dem Markt befindlichen Pirelli P7 in der Dimension 225/50VR15 für die Vorderachse und 2 Stück Rennreifen 345/35 15 als Muster für die Hinterachse. 2 Recaro Leichtbausitze. 2 Stück Autoflug 6 Punkt Sicherheitsgurte. 5 Kanister wasserlose amerikanische Kühlflüssigkeit. Ein Radio Blaupunkt Berlin. War recht lustig als ich im Februar 1975 all die Teile neben meinen Lambo stellte und um Einbau bat. Die halbe Belegschaft der Reparatur Halle verfolgte interessiert teils ungläubig den Vorgang. Kam doch ein knapp 30 jähriger Deutscher, bemängelte und kritisierte den „Miura“ und diese Anmaßung, er wollte Ihn verbessern. Valentino wirkte amüsiert, wusste er als Testfahrer doch wirklich ausgiebig um die Mängel und konnte es leider nicht zugeben. Remo Vecci musste mit einem prall gefüllten Kuvert überzeugt werden, das mit den Arbeiten begonnen wurde. Das Kuvert kam Ihm auch nicht ungelegen, er gründete damals privat nebenher eine Schneckenzucht in einem Nachbarort unweit von St.Aghata. Kann auch sein, dass die Eingangs erwähnte Aussage doch wahr ist und er meinte diesen Vorgang damit? Viele Fragen, keine Antworten.

 

Stand der Dinge war, die Teile standen neben dem Miura und Remo hielt meine mehrseitige Arbeitsmappe in seinen Händen in der alle meine Umbauwünsche aufgeführt waren. Die Fronten waren geklärt, es konnte losgehen.

 

Die Arbeitsmappe umfasste folgende Positionen:

 

1. Rahmen, Fahrwerk:

Verstärkte Aufnahmen der Dreieckslenker vorne und hinten. Verstärkte Radführungen und Lenker vorne und hinten

Etwas mehr Nachlauf und Vorspur an der Vorderachse

Geänderte Achsgeometrie, angepasst an die Pirelli P7 Bereifung und den breiteren Felgen

Stärkere Stabis vorne und hinten

Alle Gummibuchsen aus härteren Gummi, keine Polybuchsen

Tieferlegung des Fahrwerks um 20 mm und Verwendung der angelieferten Koni Spezialdämpfer

Härtere Federn für hinten

Montage der angelieferten Girling Rennbremsanlage mit Scheiben

Optimierte Kühlung Be- und Entlüftung zu den Bremsscheiben Montage der mit diversen Schüsselbreiten angelieferten BBS 3 teiligen Felgen bis die Maße feststehen und in dieser Größe original Design Champagnolo Felgen gegossen werden. Verwendung der angelieferten Pirelli P7 sowie Neuanfertigung der hinteren Dimension 345/35 VR 15. Als Vorlage dienten die angelieferten Rennslicks in dieser Dimension.

 

2. Karosserie:

Anfertigung einer neuen Fronthaube, breiter zur neuen Spurweite passend. Geänderte Luftführung um den Kühler besser anzuströmen sowie eine bessere Entlüftung um einen Luft Stau der den Vorderwagen beunruhigt, zu vermeiden. Feststehende Scheinwerfer mit Plexi Abdeckung nach Art des Ur-Jota. War auch keine Erfindung des Ur –Jota sondern damals ein gängiges Designelement für Sportwagen.

Frontspoiler für besseren Anpressdruck des Vorderwagens

Keinerlei Zierrat

Verbreiterte Heckhaube mit großen Öffnungen

Offen auch von hinten zum Motor hin

Verbreiterte Schweller links und rechts mit großer Kühlöffnung zur Hinterradbremse und Ölwanne

Heckspoiler ( siehe Anekdoten)

 

3. Motor, Getriebe Kühlung Tank Auspuff

Es wurde der Renn - Motor ( Sie wissen schon, der unter der Plane) verwendet

Genaue technische Daten wurden mir trotz mehrmaliger Nachfrage vorenthalten. Es sollte sich um übliches Tuning handeln. Hubraumvergrößerung, größere Vergaser, gewogen und geglättet, erleichterte Welle und Schwung. Optimierte Kanäle, steilere Nockenwelle u.s.w. Die PS Leistung 440 PS ! ? ( Ich erhielt kein  Prüfstandprotokoll ) also war fraglich wie viele PS wirklich zur Verfügung standen.

Getrennter Ölkreislauf von Motor und Getriebe. Der gemeinsame Ölkreislauf ist eine Fehlkonstruktion. Die Ansprüche an ein Motor- und ein Getriebeöl sind zu sehr differenziert, da gibt es keine Gemeinsamkeiten. Hat gerade noch beim Mini – Cooper funktioniert, aber mit einem viel geringeren Anspruch bezüglich der Belastung. Wurde mit der Typ Variante Miura SV auch werksseitig geändert.

Einbau der starren Sinter Rennkupplung

Größerer dimensionierter Kühler, gefüllt mit wasserloser amerikanischer Kühlflüssigkeit

Einbau eines 120 ltr Tank mit Außen Verschluss ( siehe auch Anekdoten )

Sonderanfertigung einer Ansa Auspuffanlage mit Dämpfung, na ja..... ganz wenig, fast keiner

 

4. Innenraum

Bezug und Montage der angelieferten Recaro Schalen sowie Einbau der 6 Punkt Autofluggurte.

Tacho abändern bis 400 km/h (siehe auch Anekdoten)

Einbau eines Blaupunkt Berlin mit Schwanenhals ( siehe auch Anekdoten)

Hochwertige Lederausstattung in einem Mix aus schwarzem Glatt- und Velourleder

Anfertigung eines Einarmwischers mit einem kleinen Zusatzwischer um optimal die Fläche der Frontscheibe zu erreichen

 

5. Finish:

Lackiert im typischen Lamborghini Rot und Seidenglanz Schwarz

Etwas Chrom im Motorraum sowie für technische Teile der berühmte schwarze Schrumpflack

 

Anekdoten:

 

1. Bauzeit

Ich machte es mir zur Aufgabe, 1 mal im Monat ins Werk zu fahren um den Fortschritt der Arbeiten zu verfolgen.

Ich musste feststellen, mit den Karosserie Arbeiten gab es Probleme. Der zuständige Mitarbeiter, ein echter Alukünstler, hatte die Aufgabe alles nach meinen Vorgaben zu Formen.

Nur, es funktionierte nicht so richtig. Er formte, machte, war stolz, alles wunderbar, aber, mir gefiel es nicht so richtig.

Also wurde entschieden, ich muss mitarbeiten. Ausgestattet mit einen Blaumann und einem weißen Arbeitsmantel war ich nun voll im Fertigungsprozess integriert.

So wurden unnötige Mehrfacharbeiten vermieden. Ich wurde mit einem blauen Montage Overall und einem weißen „Ingegnere“ Mantel ausgestattet. Auch der Besuch in die Kantine wurde mir ermöglicht. Aufgrund meiner Arbeitskleidung in Blau oder Weiß konnte ich mir aussuchen ob ich bei den hochnäsigen Weißkitteln oder bei den Blaumännern die Mittagszeit verbringen wollte. Sie können sich denken wo ich war. Außerdem akzeptierten mich die Blaumänner, war ich doch nicht der reiche Schnösel wie Anfangs vermutet sondern ich packte selbst mit an und meine Ideen wurden nicht mehr belächelt sondern fanden Anerkennung.

Einmal kam, Lamborghini stand wieder einmal kurz vor der Pleite, extrem auffällig freundlich ein Weißkittel zu mir.

Er hat die Arbeiten verfolgt und fragte mich ob ich ein „Ingegnere“ sei. Ich verneinte, alles nur durch Motorsport Erfahrung und aus dem Bauch heraus konzipiert. Er klärte mich auf, dass für den Countach – Serienanlauf keine Mittel zur Verfügung standen. So trug er mir seinen Gedanken vor, mit geringen Mitteln noch eine Evolution – Serie des Miura aufzulegen, den Jota SVR eben. Ich sagte, eine gute Idee, fühlte ich mich doch bestätigt. Es wurde aber nicht realisiert, es kam frisches Geld und der Countach Serien Anlauf war gerettet.

 

2. Reifen

Pirelli hatte erst vor kurzen die neue Reifengeneration P7 vorgestellt. Das Höhen / Breitenverhältnis wurde geändert, man sprach vom Niederquerschnittsreifen. Die breiteste angebotene Version zum Produktionsstart 1975 war der 225/50 VR 15. Ich fand Ihn gut für die Vorderachse, für hinten aber viel zu schmal.

So fragte ich bei Pirelli an, ob eine Dimension 345/ 35 VR 15 mit P7 Profil machbar währe.

Es wurde nicht unbedingt verneint und ich meinte jemand von Lamborghini würde sich diesbezüglich melden. Es geschah für italienische Verhältnisse ein echtes Wunder. Innerhalb kurzer Zeit wurde das Paar in der gewünschten Größe gebacken.

Aber leider, ein kleiner Mangel. Die Beschriftung an der Flanke war nicht so ausgeführt wie bei den Straßenreifen sondern es stand nur ganz kläglich, klein wie bei Racingreifen üblich die Reifengröße darauf. Also, noch eine Bestellung mit der original Straßenreifenflanke. Wurde auch prompt erledigt. Das erste Paar mit der kleinen Schrift wurde später auf den weißen Countach von Walter Wolf, dem ( Retter ) montiert. Das dürfte so eine Grundüberlegung zum Countach S gewesen sein. Ich kann also ohne Übertreibung behaupten, den Pirelli P7 in der Größe 345 habe ich erfunden. Dieser Reifen war über Jahrzehnte „der“ Reifen auf den Supersport Autos.

 

3. Felgen

Die angelieferten 3 teiligen BBS sollten eigentlich nur zur Größen Ermittlung dienen. Gesamtbreite, Schüsselbreite innen und außen. Sollten die Maße feststehen hatte ich mir die Originalfelgen von Champagnolo in der neuen Größe gewünscht. Trotz Zusage wurde während der Bauzeit nicht geliefert. Später wollte ich sie nicht mehr.

 

 

4. Dachspoiler

Ich war wieder einmal im Werk und Valentino zeigte mir den weißen Countach von Walter Wolf. W.W. wurde zu dieser Zeit im Werk mehr als hofiert, es gab Gerüchte, er sei der Retter von Lamborghini. Sein Countach war neu mit einem Dachspoiler ausgerüstet. Valentino fragte mich, ob er mir gefällt. Ich antwortete, ja. 

Auf dem Countach sah er verwegen und passend aus. Mehr dachte ich mir nicht dabei. Später, mein Lambo näherte sich der Fertigstellung und ich wieder mal im Werk. Was sah ich zu meiner Überraschung, mein Lambo hatte auch so einen Spoiler bekommen. Ich war entsetzt.

Valentino erklärte mir stolz: Ein Geschenk des Hauses! Was sollte ich tun? Abmontieren lassen, ging nicht !! Eine Beleidigung sondergleichen. Noch dazu war der Spoiler mit 4 zierlichen Schräubchen auf der ersten dünnen Lamelle der Heckklappe montiert. Eine echte italienische

„Ingegnere „ Konstruktion. So ließ ich wenigstens den handgepinselten „Jota“ Schriftzug an den Spoiler Seiten entfernen.

 

5. Radio Blaupunkt Berlin

Zu Weihnacht 1974 besuchte mich der Vertriebs Chef von Blaupunkt und überraschte mich mit einem großen Karton. Inhalt: Das Spitzenmodell von Autoradio, der Blaupunkt Berlin. Er wusste von meinem Projekt Jota SVR  und war der Meinung der Berlin muss unbedingt verbaut werden. Eigentlich so dachte ich, sollte der Jota keinen Radio bekommen, bei dem Auspuff sowieso sinnlos. Ich wollte mich aber auch nicht undankbar zeigen und so wurde der Berlin verwendet.

 

6. Und noch ein Geschenk

über das ich mich aber riesig freute und das mich sehr berührte. Eine 5 Klang Kompresser Fanfare.

Ein Geschenk der „Blaumänner“

Haben die doch wirklich gesammelt und mir die Fanfare eingebaut.

Das muss man sich mal vorstellen. Das Werk in kritischem Zustand, die Blaumänner nicht gerade fürstlich entlohnt, bauen aber für die Reichen der Welt wunderbare Autos.

Sie selbst kommen zu Fuß, mit dem Bus oder Fahrrad in die Arbeit. Das höchste auf dem Werksparkplatz ein Fiat 500 oder 1100.

Diese Geste hat mich also wirklich gefreut. Am Tag der Übergabe war die halbe Belegschaft der linken Halle am Auto anwesend wobei die Hupe eifrig betätigt wurde. Jeder wollte mal drücken, mir gratulieren und Glück wünschen.

 

7. Tacho 400 km/h

Ja, Ja ich weiß, maßlos übertrieben. Bei gemessenen 315 ging ihm schon die Puste aus. Es war auch nur ein Spaß. Wir waren in den 70ern eine lustige Clique, hatten uns selbst nicht allzu ernst genommen und immer zu Blödsinn aufgelegt. Ausgerüstet mit dem feinsten Spielzeugen die von der Autoindustrie angeboten wurden sowie auch auf dem Wasser ( Riva ) und in der Luft ( Cessna, Piper ). Es fand ein permanentes „ Tachowettrüsten „ statt. Was steht auf deinem Tacho 240?

Ha, ha, lachhaft ! Da lege ich noch die 5te Welle ein, bei mir 270. So der spaßige Tenor des gegenseitigen Aufziehens. Einige Monate später 280. Der Kommentar dazu: ja, ja im freien Fall vielleicht! Kurz darauf dann waren 300 angesagt. So ging es weiter 330....... Sie können sich denken, es waren die Marken BMW, Mercedes, Maserati, Jaguar, Porsche und Ferrari vertreten. Ich dachte mir, machst du was mit 400..... dann hast du einige Wochen deine Ruhe!

 

8. Tank 120 Liter

Die unter 7; beschriebene Clique war eigentlich im Sommer so ziemlich jedes Wochenende am Gardasee vertreten.

Freitag Mittag juckte es schon zum Aufbruch und Sonntag Abend ging es zurück nach München.

War natürlich schon wichtig, wie lange brauchte man von München bis Lazise? Rekordhalter war Grubi, Herr Grubmüller, Besitzer einer BMW Vertretung in Dachau. Sein Auto, ein BMW 3.3 CSL der mit dem Brettlspoiler auf dem Kofferdeckel und einem dubiosen Motor unter der Fronthaube. Man munkelte der Motoren Gott von BMW der „Nocken Paule „ Herr Rosche, hatte damit zu tun. 2:48 war die vorgelegte Zeit von Grubi vom Italiener im Münchner Westen bis zu unserem Stamm - Restaurant in Lazise. Unbedingte Grundlage für eine Rekordzeit: Kein Tankstopp und zügige 2 Grenzüberquerungen. Darum also 120 ltr Benzin im Tank.

Ach ja, übrigens meine Zeit dann mit dem Jota... 2:34

Unglaublich wie nahe damals unter „ keiner „ Berücksichtigung der Verkehrsvorschriften der Gardasee war. Heute, 2016 ohne Grenzkontrollen bei fast korrekter Fahrweise 4:50!

 

9. Hubert Hahne

Obengenannter hatte es schon während der Bauzeit des

Jotas schon superwichtig mit meinem Auto er fotografierte es laufend. Er besitzt wahrscheinlich mehr Fotos als ich. Teilweise behauptete er sogar es währe sein Miura. In einigen nicht besonders gut recherchierten Lambo Büchern wird mein Lambo sogar als Hahne Lambo erwähnt. Fakt ist: Es war nicht sein Auto, er hatte mit dem Aufbau nichts zu tun. Alles andere ist blöde arrogante Angabe dieses Herrn.

Der Richtigkeit halber aber: Mehrmals fragte er mich sogar noch vor Fertigstellung ob ich das Auto verkaufen würde. Er hätte einen Kunden in Japan.

Ich verneinte natürlich noch zu diesem Zeitpunkt.

Endlich, im Spätsommer 1975 war es dann soweit. Der Lambo war abholbereit. Im Detail super gefertigt, was bei Lamborghini nicht gerade üblich war, stand er glänzend in der Sonne.

Bei der ersten Ausfahrt lies ich Valentino den Vortritt und ich nahm auf der Beifahrerseite platz. Unglaublich wie er auf der Landstraße Richtung Autostrada fuhr. Exakt, satt, einmalig. Unebene Straße, mit dem normalen Miura ein Problem, war keines mehr. Dann die Einfahrt zur Autobahn, 3. Gang 4. 5. Vollgas, nicht mehr tänzelnd um die Längsachse, schnurgerade, jeder Lenkbewegung ruhig folgend. Kein sich abhebender Vorderwagen. Ein Erlebnis. Kraftübertragung, Bremsen, alles funktionierte wie ich es mir vorstellte.

 

Zusammenfassung:

 

Mein Jota SVR war eine eigenständige Konstruktion die hervorragend funktionierte und nicht nur „jotanized“ wurde. Ein Begriff der von einigen Buchschreibern gerne zum ab spötteln verwendet wurde.  Es war der beste jemals gebaute Miura, technisch und auch im Finish und keine unglückliche Jota – Kopie die sich nur auf formale Änderungen bezog. Solche wurden einige im Werk und auch außerhalb gefertigt. Die Form war gelungen, breit und satt. Weder das Werk, noch Vecci und Valentino haben in der Öffentlichkeit  den Lambo in seinen Eigenschaften wahrheitsgemäß beschrieben. Warum ??

Konnte wohl nicht sein, das ein junger Deutscher dem Lambowerk erklärt wie ein Auto zu funktionieren hat. So wurde später auch mit dem Countach in der werksspezifischen Art weitergepfuscht.

Ich lies 1982 einen Countach modifizieren, aber das ist eine andere Geschichte. Mit Luc Donkerwolke, ein späteren Designer bei Lamborghini schon in der Audi Zeit, traf ich mich in der Design Abteilung von Audi in München Schwabing. In einem sehr netten Gespräch, er besaß auch Fotos meiner beiden Lamborghinis, bestätigte er, dass es sich um ein einzigartige Autos handelte.

 

Wie ging es mit dem Jota weiter?

 

Die Freude mit dem Auto war schon besonders. Obwohl, es gab einige kleine Defekte die auch öfters zum kompletten Stillstand führten. Probleme macht zum Beispiel der Lichtmaschinen  Antrieb. Er riss einige Male bis ich kapierte, um dieses Problem muss ich mich nochmal besonders kümmern. Der Antrieb wurde dann auf Breitriemen umgebaut.  Eine modifizierte Lichtmaschine mit leichten Schwung Massen ließ ich bei Bosch anfertigen.

Aber dann gab es plötzlich Probleme anderer Art.

Ich fuhr den Jota mit Mailänder Zulassung, passend zu meinem Zweitwohnsitz. Es blieb meinen lieben geräuschempfindlichen Nachbarn in Obermenzing ( war mal eine feine Gegend, Udo Jürgens wohnte auch dort ) nicht verborgen, das der Lambo sich eigentlich immer in Deutschland befand. Ich denke mal, der Lärm hatte sie etwas irritiert und der Neid hat sie zu anonymen Aktionen veranlasst.

Die Polizei kümmerte sich plötzlich um das Auto und „ empfahl „ mir höflich, ich sollte mich um eine deutsche Zulassung bemühen.

Ich also nach Erledigung aller schriftlichen Formalitäten mit einem Blankobrief ausgestattet, sprach ich bezüglich der Abnahme hoffnungsvoll beim TÜV vor.

Die kurz vorm Herzinfarkt stehenden TÜV Prüfer als sie den Jota sahen und hörten, ich sehe sie heute noch vor mir. Das war es mit der Deutschen Zulassung. Ich höre heute noch deutlich die bayerische Fassung von „no possibile“ was so klang: Hau ob aus der Halle bevor ma di abschleppa lassen ! Übersetzt: Verlassen Sie bitte die Halle zügig, ansonsten werden wir das Fahrzeug an die Polizei übergeben und abschleppen lassen.

Tja, hat sich erledigt mit der Deutschen Zulassung, sie war unmöglich. aber nicht ganz so schlimm. Inzwischen bekam ich meinen Ferrari BB der auch Freude machte.

Was tun ??

Da fiel mir doch wieder Hubert Hahne ein. Ich am Telefon:

Hast Du den Kunden in Japan noch ??

Das Geschäft wurde abgewickelt, und seitdem befindet sich der Jota SVR in Japan.

 

Nachtrag:

Nachdem ich 1982 einen Countach besaß und damit nichts wie Ärger hatte, interessierte mich die Marke nicht mehr.

Im nachhinein erfuhr ich, das sich mein Jota SVR zu einem Lamborghini Jubiläum wieder in Italien befand.

Schade, das habe ich versäumt, ich hätte ihn gerne wieder gesehen.

Derzeit d.h. im Januar 2016 wird der Yota von Bingo Sports in Tokyo zum Verkauf angeboten. Natürlich auch wieder mit einer unrichtigen Hubert Hahne Historie. Auch kann man den Yota SVR auf einigen You –Tube Videos ansehen, einfach nur Lamborghini Jota SVR eingeben. Wie zu erkennen ist, wurde vor kurzem der Innenraum in goldfarben neu gestaltet.

 

Bücher:

Der Jota SVR wurde in vielen Bücher beschrieben.

Einige davon in folgender Auflistung:

 

1982 The Lamborghinis  Chris Harvey

1982 Lamborghini Miura  Peter Coltrin

1983 Ilustraded Lamborghini Buyers Guide  Rob de la Rive Box

1984 Lamborghini  Jean-Fracois Marchet

1986 Lamborghini  Rob de la Rive Box

2003 Im Zeichen des Stieres  Matthias Braun

2004 Supersportwagen  Matthias Braun

2014 Lamborghini Testfahrer Balboni  Matthias Pfannmüller

 

 

Modellbausätze:

Von vielen Firmen wird der Jota SVR in diversen Maßstäben als Plastikbausatz angeboten. Interessant ist, die Zeichnung am AOSHIMA Bausatz in der Größe 1/20. Sie zeigt den Jota noch mit der Beschriftung seitlich am Spoiler. Wahrscheinlich dienten als Vorlage Fotos die entstanden sind bevor ich diesen Schriftzug wieder entfernen ließ.

 

Fertigmodelle – Slot Racing:

Am gelungensten sind die Modelle in 1/43  1/18  1/12 von Kyosho

Für diese Firma fertigte ich auch das Lastenheft um die Modelle herzustellen

 

Karosserie

Verbreitert vorne und hinten.

Geänderte Durchströmung an der Fronthaube.

Verbreiterte Seitenschweller mit Anströmung zur Bremse und der Ölwanne.

Dachspoiler

Zierrat komplett entfernt

 

Fahrwerk

Verstärkte Dreieckslenker und Stabis

Tiefergelegt unter Verwendung von Koni – Renndämpfer

Geänderte Achsgeometrie

3 teilige BBS Felgen vorne 8 / 15 Zoll hinten 14 / 15 Zoll

Pirelli P7 Bereifung

Vorderrad 225/50 VR 15  Hinterrad 345/35 VR 15

Girling Rennbremsanlage

 

Motor

Jota Spezifikation 440 PS

Vergaser 44 Weber

Sinterbelag Rennkupplung

Offener Ansa Rennauspuff

Ölkreislauf getrennt

Tank 120 Liter mit Außenbetankung

 

Innenraum

Feinste Wild- und Glattleder Kombination in schwarz

Teppich in schwarz

Recaro Sitz Leichtbauschalen

6 Punkt – Gurte von Autoflug

Autoradio Blaupunkt Berlin

 

An dieser Stelle

herzlich bedanken möchte ich mich bei dem damaligen Leiter der Reparatur Abteilung Sen. Vecci, dem Testfahrer

Valentino Balboni sowie der lieben Ingrid Pussich. Sie bemühte sich um die oft nicht einfache deutsch – italienische Verständigung. Auch nicht zu vergessen, die Belegschaft die an diesem einmaligem Auto arbeitete und dieses Traumauto erst ermöglichte.

 

 

Heinz Steber Februar 2016 • www.HeinzSteber.de • www.Lamborghini-Jota-SVR.de

 

Lamborghini ist ein geschüztes Markenzeichen der: Automobile Lamborghini S.p.A

 

 

 

 

 

 

 

 

Plannung und Umbau- Arbeiten ->

 

 

 

 

 

 

 

 

<- Der Jota SVR nähert sich der Fertigstellung 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Abholung bereit -> 

 

 

 

 

Der Jota SVR in München

 

Der erste Countach von Walter Wolf

 

Das Lastenheft für die Firma Kyosho

 

Diverse Modelbausätze vom Jota SVR

 

Verschiedene Bücher in denen der Jota SVR erwähnt wird

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